»geld - stinkt?

gestern abend hatte ich eine interessante diskussion.

wir sassen im gastgarten eines irish pubs und unterhielten uns, als folgender interessenskonflikt aufkam:
einige münzen einer person, die am tisch lagen, nehme ich nicht als geschenk an (die genaue intention wurde erst nachher klar) - jedoch habe ich nichts dagegen, wenn jemand die getränke des tisches zahlt, uns also einlädt.

wo ist der unterschied, ob mir jemand ein getränk zahlt, oder mir geld schenken würde, mit dem ich mein getränk zahlen könnte?

wir haben lange darüber geredet, mein erster gedanke war, dass es sich “awkward” (ich hab noch keine deutsche übersetzung gefunden, die für mich das ausdrückt, was es im englischen bedeutet) anfühlt, und falsch. geld als geschenk zu nehmen fühlt sich nicht richtig an - was aber etwas anderes bei verwandten ist, die einen einfach zu wenig kennen, um etwas halbwegs sinnvolles schenken zu können.
“es ist der gedanke, der zählt” passt hier auch wunderbar, finde ich. wenn mich jemand auf ein getränk einlädt, finde ich das eine nette geste. wenn mir jemand geld schenkt, naja - seltsam.
stinkt geld? warum habe ich und auch viele andere personen (war ja an dem tisch nicht der einzige, der so gedacht hat) diese einstellung? erziehung? “geld macht nicht glücklich”.

ein beispiel, dass ich noch gebracht habe - eine gute freundin, die mit uns am tisch sass. ich lade sie hin und wieder mal auf einen kaffee ein, ich hab was witziges für sie als geburtstagsgeschenk gefunden und ich hab sie mal mit einer karte für ein konzert überrascht (wobei da ja das eigentliche geschenk mehr die planung war :D) und sie mit in ein musical genommen, aber ich käme nie auf die idee, ihr geld zu schenken. warum sollte ich das tun?

es fühlt sich an, als wollte man jemanden für etwas bezahlen. in unserer gesellschaft bekommt man geld für leistungen, die man erbracht hat. mit jemanden an einem tisch zu sitzen und mich mit ihm zu unterhalten, empfinde ich nicht als leistung.

ein geschenk ist gebunden - ich bekomme das, was die person bezwecken wollte. die person hat sich ja irgendetwas dabei gedacht. es ist individuell - auch wenn man eine runde bezahlt, ist es in gewissem sinne noch individuell.

bin ich / sind wir einfach nur irgendwie - durch die erziehung bedingt - behaftet und sehen das einfach nur falsch? wollen wir uns nicht “bezahlen” lassen? wem geht es ähnlich? wer versteht unseren standpunkt? wer ist anderer meinung, und kanns begründen? ich freue mich auf zahlreiche kommentare, sofern dieses thema jemanden interessiert…

5 Responses to “geld - stinkt?”

  1. noledge Says:

    warum schicken alle ihre kommentare per ICQ? *lach*

  2. al-iksir Says:

    ICQ war auch mein erster Gedanke…
    Ich habe noch nie über diese Thematik nachgedacht, aber sie wirft durchaus interessante Fragestellungen auf. Ich muss dir Recht geben, Geldgeschenke sind entweder unpersönlich (z.B. von weniger gut bekannten Verwandten) oder peinlich, unangenehm, unpassend (wie in der von dir beschriebenen Situation). Vielleicht liegt es gerade an diesem Punkt der Unpersönlichkeit: Von unseren Freunden erwarten wir uns, dass sie uns gut genug kennen, um in der Lage zu sein, den Wert des Geldes in ein anderes Geschenk “umformen” zu können, es also unserem Charakter, unseren Bedürfnissen anpassen zu können. Geld kann man jedem schenken und jeder wird sich darüber freuen, keine Frage, weil es niemanden gibt, der jemals genug davon haben könnte (postuliere ich hier einmal). Man kann es auch so ausdrücken: Gerade weil sich jemand Gedanken darüber macht, was uns im Tausch gegen eine bestimmten Summe Geld Freude machen könnte, steigt der Wert des Geschenkes um einen unbezahlbaren Betrag.
    Trennen würde ich allerdings zwischen “jmd. einladen” und “schenken”, denn das Einladen zeugt nicht von einer besonderen Beschäftigung mit einer Person (bleibt man beim Beispiel der Getränke am Tisch).

  3. noledge Says:

    > Gerade weil sich jemand Gedanken darüber macht, was uns im Tausch gegen eine bestimmten Summe Geld Freude machen könnte, steigt der Wert des Geschenkes um einen unbezahlbaren Betrag.

    oh, sehr guter punkt. das triffts ziemlich genau, denk ich. *unterschreib*

    zwischen “einladen” und “schenken” würd ich nicht unbedingt trennen. sicher ist es nicht direkt miteinander vergleichbar - wie eben durch deinen nebensatz erklärt - aber dennoch zeugt es in irgendeiner form von einem geschenk. jemand will dir etwas gutes tun, es beruht meistens doch irgendwie auf gegenseitigkeit. das war natürlich wegfällt ist ein grosser teil der individuellität (nicht vollständig find ich), aber reicht das, um es nicht mehr als geschenk/”schenken” zu sehen?

    ich denke genau das ist auch eben der grund, warum das zahlen der runde ok war und das schenken des geldes nicht.

  4. Sophie Says:

    ist es nicht sehr egoistisch, sich nur über geschenke zu freuen, die genau auf einen maßgeschneidert sind?

    der wille is ja bei geld auch nicht anders der wille nach dem “ich tu dir was gutes” … dass natürlich eine persönliche note dem ganzen einen gewissen schliff verleiht,.. keine frage

    der gedanke zählt .. ;)

  5. noledge Says:

    ist es nicht heuchlerisch, sich über ein geschenk zu freuen, wenn es einem unangenehm ist? ;)

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