»blog, das (pl. blogs): massenmedium
“blogosphäre, quo vadis?” müsste man sich in letzter zeit fragen.
schwappte vor einiger zeit noch recht spärlich etwas aus der blogosphäre in die typischen medien, was dann zu ein paar interviews führte, so tut sich in letzter zeit da einiges mehr. die blogs erzeugen nicht nur zunehmend mehr content sondern sie steigern durch die vielen verlinkungen immer mehr die bekanntheit von sich selbst und ihren berichten, auch ausserhalb der blogs.
derzeit wohl prominentestes beispiel ist ein von ntropie entdecktes und von spreeblick aufgegriffenes musikvideo einiger jugendlicher. die zugriffszahlen sprengten alles bisher dagewesene, da es durch die zahlreichen verlinkungen schnell auch in diversen foren und auf fun-websites verlinkt wurde. in gutbesuchten foren multipliziert sich das ganze nochmal, da es dann gleich auch wo anders gepostet wird. schnell durchbricht spreeblick-johnny die 100.000 pageviews/tag marke, muss sogar die kommentare abschalten, da der server in die knie gezwungen wird.
und er erregt aufsehen. es gibt erste anfragen von plattenlabels, die die jungs aus dem video unter vertrag nehmen wollen. bunte führt ein interview mit ihnen, und eine woche darauf sind sie bei stefan raab’s tv total zu gast. die erste single erscheint in wenigen tagen.
und alles begann mit einem kleinen link.
johnny, der durchaus immer wieder sehr gute texte verfasst (so wie erst kürzlich: “uwe“) fragt sich da zurecht:
was ist passiert?
blogs, bzw noch allgemeiner gesprochen das internet werden zunehmend zum massenmedium. und zwar nicht nur von den benutzerzahlen gesehen (wo das internet ja längst massenmedium ist) sondern auch von der art der leute, die sich hier einfinden. hatte man in den blogs noch vor einiger zeit hauptsächlich leute, mit denen man diskutieren konnte, die sich ihre eigene meinung bilden und nicht täglich 6 stunden vor dem fernseher verbringen (vorsicht, verallgemeinert), so finden sich inzwischen alle möglichen leute ein.
dass ein teil dieser leute nichts mit intellektuellen texten, kontroversen debatten oder literarischen meisterwerken anfangen kann, sollte jedem klar sein. doch der content bestimmt die leserschaft – und dieses lustige video zielt nunmal eindeutig auf alle zielgruppen, in irgendeiner weise. und so bringt man das video dann auch einem bild-leser oder einem soap-opera-seher näher, die das auch lustig finden und den link ebenso weiterschicken.
die artikel, über die man diskutiert, nehmen in dem fall die rolle einer ernsten zeitung ein (ich kenn die lage in deutschland nicht, “zeit”, “faz”? hier in österreich würd ich sagen “der standard”), ein etwas doofes, verlinktes video empfinde ich dann als boulevard-blatt. und da im internet (fast) alles gratis ist und man sich nicht für eines entscheiden muss, holt man freilich mit unterschiedlichen artikeln unterschiedliche zielgruppen.
ich hoffe, dass zumindest ein paar hundert der “durchgewanderten” besucher erhalten bleiben und sich angesehen haben, was die blogs auch sonst noch zu bieten haben. und zwar nicht nur auf dieses musikvideo bezogen, sondern durchaus generell – es gab ja schon öfter links der “grossen medien” in diverse blogs, die tausende “durchreisende” leser bescherten; so auch bei mir mit der blondinenwitz-geschichte.
blogs werden immer mächtiger. viele firmen grasen inzwischen blogs nach kritik ab; das kann man sowohl positiv als auch negativ sehen – es macht einen unterschied, ob sich die firma dadurch anregungen holt bzw sich mit dem autor in verbindung setzt, um die sache zu klären oder ob die firma daraufhin abmahnungen ausschickt und die krtik entfernt haben möchte. viele zeitungen monitoren blogs auf der suche nach neuigkeiten, die über die traditionellen kanäle etwas länger bräuchten. und je mehr verbreitungsgrad man erreicht, desto wichtiger ist es, sich zu überlegen, welche leute man eigentlich erreichen will.
die bild-zeitung (bzw kronenzeitung) hat nunmal die meisten leser.